Gemeinsam sind wir stark

Dienstag 29. Juni 2004 Gemeinsam sind wir stark… (?dachten wir…?) 1.6. Frau und ich beschlossen: gemeinsames Loskommen von der bösen Schwarzen. Gesagt, getan. Versteckten Schachteln. Kauften Süßes und Alk. Hoffnung groß ? Wille bisschen schwach. Aber unser Motto: ?gemeinsam sind wir stark? 3.6. Drei Tage durchgehalten. Mir geht?s gut, aber Frau beginnt zu nerven. Nörglerisch. Übelgelaunt. Geht manchmal auf mich los. Mich im Bad eingeschlossen. Als sie musste, ging?s auf die Spüle. Mein Mitgefühl hatte sie. Noch größerer Streit. Versöhnung mit drei Buchstaben. 4.6. Kumpels mit Weibern getroffen. Frau groß angegeben. Fällt ihr ja alles so leicht. War mir peinlich. Kumpels und Weiber gelb vor Neid ? ich knallrot vor Wut. Abends gebechert. Entzugserscheinungen sagten nicht ade. Nach sechs Johnnys Frau umgekippt. Notarzt gerufen. Alkoholvergiftung. Frau ins Spital. *freu*. Endlich sturmfrei… 5.6. Frau noch im Spital. Zigarettenverlangen kocht auf. Finde in Unterwäsche von Frau ne Packung. Wieso in Unterwäsche? Packungen angebrochen. Soso, hat sie geschummelt! Na warte! Stecke mir sechs hintereinander an. Sprühe danach Febreeze. Gestank ist Flöten. Gefühle des Ekels. Was war mit Beschluss? Aber war gemeinsamer Beschluss ? und ich jetzt allein. Abends Sehnsucht nach Frau. Frustsaufen in eigener Kneipe. Angestellte mich rausgetragen und nach Haus geschleppt. Zuhause weiter gekneipt… irgendwann eingeschlummert. 6.6. Aufgewacht in Erbrochenem. Klebte in den Haaren, am Lederanzug, und in Stiefeln. Neu übergeben. In Küche gewankt. Unterwegs großen Blumenpott mit Pissoir verwechselt. Hab mich bei Pflanze entschuldigt und sie ?Pissnelke? getauft. Nachmittags Frau zurück. Vorher zwei Febreezes leer gemacht, da am Morgen Frust geraucht. Abends Freund Walker eingeladen und gefeiert. Warn wohl veilchenblau. 10.6. Hab seit vier Tagen kein Tabakwürmchen mehr angesteckt ? bei Frau weiß ich?s nicht. Machen viel zusammen. Ob Arbeit in Kneipe, Kiosk oder Therapieren in ?Anonyme Raucher?. Hätte die Therapie eigentlich selbst nötig. Kein Wunder, dass Therapie bei den meisten nicht anschlägt. Spüre schon wieder Verlangen. Find aber keine Packungen. Zigaretten in Unterwäsche weg. Stunden lang am Daumen gelutscht, geflennt und mich nach ?Mama? gesehnt. Abends zu viel getrunken. 11.6. Frau mittags im Kiosk beim Smoken überrascht. Im Hintergrund lief ?Smoke on the water?. Ham wir dann in die Tat umgesetzt und ne Dampferfahrt auf der Alster gemacht. Dabei Beschluss vergessen und zwei Schachteln verspeist. Fühlten uns soo gut. Hatten nicht mal Bedenken oder Gewissensbisse. Abends zusammen über den Rückfall geweint. Mit ein bisserl Koitus getröstet. 15.6. Haben seit fünf Tagen keine mehr angezündet. Fühlen uns besser. Doch einfacher, als wir gedacht hätten. Viel Süßes, viel Alk ? sieht man uns leider auch an. Schon an Weight Watchers gedacht. Aber wollten nicht noch nen Entzug machen. 17.6. Gemeinsame Feststellung: statt Raucher nun Alkoholiker und Fresser. Mussten was unternehmen. Zwei Süchte für eine. Darf nicht sein. Bei Weight Watchers angemeldet und den ?Anonymen Alkoholikern? beigetreten. 20.6. Merkten schnell: Weight Watchers Fraß wird uns nicht schmecken und mit Alkis werden wir nicht klarkommen. Also, Austritt. Fühlten uns wie Schlappschwänze, aber besser als Essen zu essen, was man nicht leiden mag und mit Leuten zu schwadronieren, die man noch weniger leiden mag. Gründeten unser eigenes Weight Watchers zu zweit und unsere eigene Selbsthilfe-Gruppe ?Anonyme Alkis?. 22.6. Eigene Projekte zeigen keinen Erfolg. Abends Fressanfälle bekommen und so?n Brand gespürt, dass alles wieder beim Alten war. Ham um Mitternacht sogar noch eine geschmaucht. Die Zigarette danach… 26.6. Wir hatten wohl zu große Erwartungen. Kein Entzug klappt. Rauchen, trinken und essen übermäßiger als vorher. Jojo-Effekt nennt man das, glaube ich. Fühlen uns unwohl in unsrer Haut… äh, in unserm Fett. Frau, glaube ich, auch. Suchten uns professionelle Hilfe. Gingen in Psychotherapie und Selbsthilfegruppe. Half ein bisschen. Tranken, rauchten und aßen abends schon mal 10% weniger. Ohhh, da fühlten wir uns schon mal wesentlich besser. 1.7. Entzüge sind echt hart, besonders drei. Nur noch Zoff. Nur noch Gequängel. Nur noch Gewalt zu Haus. Heute Frau die Treppe runtergeschupst. Fand sie wohl nicht so toll, hat aber nischt gesagt. Hat mir nur die heiße Suppe auf?n Schoß geschüttet. Tat?n bisschen weh, aber ein Indianer kennt keinen Schmerz. Abends fielen die drei Buchstaben flach. Frau ging aus ? verwunderte mich, aber sagte nix. 2.7. Ganze Nacht allein zu Hause gewesen. Hatte Angst und weinte auch mehrfach. Frau morgens zurück. Aber nicht allein. Hat nen ominösen Lümmel mitgebracht. Meinte, dass er ihr?s gut besorgen könnte. Was sollte er ihr denn besorgen? 1. meine Frau ist noch gut in Schuss, um das selbst zu können. 2. ist der Supermarkt um die Ecke, da kann?s sie?s doch in aller Ruhe selbst machen. 3. sie könnt?s doch auch mich besorgen lassen. Hab den Kerl mit nem Tritt in die richtige Stelle rausbefördert. 4.7. Morgens am Frühstückstisch. Geständnis von Frau, dass sie mit ominösen Lümmel ne Affäre hat. Wutanfall. Beschimpfungen. Schläge. Notarzt. Frau musste mal wieder ins Spital. Mensch kann sie sich denn nicht mal?n bisschen vorsehen? Hab sie wegen Unachtsamkeit aber nicht besucht. Abends zu viel Alk intus gehabt. Erbrechen nicht fern. 5.7. Morgens Anruf von Frau. Zieht zu ner Freundin. Endlich mal positive Neuigkeiten! Hab mir vor Freude erst mal ne Schwarze genehmigt, so zur Feier des Tages quasi. Sehnsüchtiges Inhalieren. Danach Schamesgefühle ohne Ende. Aber Frau ist ja eh weg, also keine Strafe oder so. Abends Kneipe. Zu viel ins Glas geschaut. Abtransport von Angestellten inklusive Übergeben im Auto. 7.7. Morgens Brief bekommen. Angestellter verlangt Ersatz für versaute Autositze. Musste erst mal sechs mal denken, was damit gemeint war. Tja, hatte wohl mal wieder irgendwann ne benebelte Nacht gehabt. Mittags Bank. Überweisung. Danach zu Haus wegen Geld geheult. Hab?s ja eh nicht so dicke mit der Knete. Angestellte beuten einen nur aus. Frauen auch! Frau verlangt, dass ich ihr kaputte Kleidung vom 4.7 ersetzen soll. Die Oltsch hat?s wohl hier oben. Soll sie sich nicht anlegen, dann hat sie auch keine Schäden! 8.7. Beschloss neuen Ziggi-Entzug. Fiel mir dies mal noch schwerer. Keine moralische Unterstützung in der Bude. Auf mich allein gestellt. Mittags so verzweifelt, dass ich Bude auf?n Kopf stelle, um Ziesen zu finden. Fündig im Keller. Aufschrecken. Ganze Schachtel voller Asseln und anderem Abschaum. Schmeiß das Ding durch?n Keller, flüchte und renn zum Automaten und die Ecke. 9.7. Trauma über Asseln und Co sitzt immer noch tief. Insekten-Phobie da, Stärke für?n Ziggi-Entzug auf Urlaub und Frau ist auch nicht zu erreichen. Sehnsucht nach seelischem Beistand. Nachmittags Frau mit ominösem Lulatsch gesehen. In seinen Pranken, abgeschmatzt, in Arsch gekniffen. Dem wollte ich aber was erzählen. Einfach meine Oltsch angraben und angrapschen. Musste mich dann auf ne Woche Spital-Aufenthalt einstellen. Vor Schmerzen im Spital Stunden lang vor mich hin gewimmert. 16.7. Aus Spital wieder raus. Fühle mich krank, müde und einsam. Hab seit?m 9.7. nix mehr angerührt. Stolz, Freude ? bissen Glücksseligkeit. Na ja, aber letzteres ohne die Oltsch? Na ja, eigentlich gerade… 18.7. Oltsch getroffen. Im Supermarkt. Ihr ominöser Wichtel wollte ihr wohl nix mehr besorgen… da musste sie selbst ran. Aber ich könnt?s ja eigentlich auch mal wieder. Ham uns vor all die Leutsch abgeschleckt und ewige Liebe und so geschworen. Danach nach Haus. Beschluss: rauchen beide weiter! Ham dann mit dem Essen und Trinken aufgehört. Und mit körperlichem weitergemacht.

(bisher nicht bewertet)
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2 Comments on Gemeinsam sind wir stark

  1. Nadine Richters // 2. Juni 2015 um 23:10 //

    Ich bin faktisch die Autorin dieses Textes. Schade, dass das nirgends mehr angegeben wird.

  2. Hallo Nadine, die Texte kursieren hin und her im Internet und werden hier und dort angefügt. Es ist kaum feststellbar, welchen Ursprung diese haben. Daher gehen die Infos verloren. Es freut mich, dass sich der tatsächliche Autor hier meldet …

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